Oral programme

D

Das Thema Klimawandel ist in aller Munde, dennoch bleiben die Reaktionen in Politik, Wirtschaft und Bevölkerung weit hinter dem zurück, was die Klimaforschung fordert. In dieser Session wollen wir diskutieren, wie derzeit über Klimawandel und über den Beitrag verschiedener Akteure zum besseren Klimaschutz in unterschiedlichen Arenen kommuniziert wird, also in Parteien und Unternehmen, in den Medien, in sozialen Netzwerken und im privaten Umfeld. Mit welcher Form der Klimakommunikation lassen sich z. B. umfassendere Klimaschutzmaßnahmen erreichen? Aber wo liegen die ethischen Grenzen einer „manipulativen“ Klimakommunikation? Eingeladen sind Beiträge aus sozial-, geistes- und naturwissenschaftlicher Perspektive oder anwendungsbezogene Beiträge aus der Praxis der Klimakommunikation.

Convener: Katharina Kleinen-von Königslöw
Oral programme
| Thu, 18 Mar, 09:00–11:30 (CET)
Poster programme
| Attendance Wed, 17 Mar, 12:00–13:00 (CET)

Thursday, 18 March 2021 | Virtual meeting room

09:00–09:20 |
DKT-12-5
Cristobal Reveco

This contribution discusses the concept of usability of climate information as a practice, and presents a new conceptual framework for its exploration. Decades of research have made evident that availability of climate information does not necessarily lead to climate sensitive policies or planning processes. While well documented technical, contextual, cognitive and structural factors have been discussed as enablers or barriers to usability; still, to date no explanatory model accounts for how usability actually takes place. This research contends that in order to progress in our understanding of the use of climate information, usability must be explored as a practice. The conceptual framework here proposed is constructed based on empirical observations from three city administrations. The framework is rooted on Site Ontologies, where usability results from interactions between people and climate information in a mutually constitutive process that unfolds through professional practices sustained by norms and shaped by experiential knowledge. The site is conceptualised as the coordination of work that articulates the use of climate information. The framework characterises the use of climate information through five typologies. Typologies vary according to policy arenas and are mediated by an interplay with two sets of cross-cutting practices: legitimation and data management practices. The research informs that climate information is used providing it fits working practices, concluding that a deep understanding of how working practices mediate the use of climate information is central to foster comprehension regarding the challenges presented by usability. Hence, it proposes that further research should engage in exploring science-policy interactions as mediated by working practices.

How to cite: Reveco, C.: Usability of climate information, 12. Deutsche Klimatagung, online, 15–18 Mar 2021, DKT-12-5, https://doi.org/10.5194/dkt-12-5, 2020.

09:20–09:40 |
DKT-12-6
Tanja Blome, Christian Dold, Juliane El Zohbi, Fiona Köhnke, Swantje Preuschmann, Bettina Steuri, Jianing Sun, Diana Rechid, Martin Schultz, Daniela Jacob, and Netto-Null Team (Cluster I Helmholtz-Klima-Initiative)

Der durch den Menschen verursachte Klimawandel ist eine der drängendsten Herausforderungen der Gegenwart. Die Helmholtz-Gemeinschaft leistet wichtige Beiträge um die Ursachen der klimatischen Veränderung einzudämmen und Anpassungsmöglichkeiten zu finden. Mit der Helmholtz-Klima-Initiative konzentriert sich die Forschung auf die beiden Schwerpunkte „Vermeidung von Emissionen“ und „Anpassung an Klimafolgen“. In Netto-Null-2050, Cluster I der Helmholtz-Klima-Initiative, werden Strategien und Wege zur Minderung von Kohlenstoff Emissionen wissenschaftlich untersucht und bewertet. Im Clusters I werden zwei Formate entwickelt, mit denen die komplexen Ergebnisse der Forschung verständlich gezeigt werden können. Mit dem web-basierten Netto-Null-Atlas wird der Nutzer zu verschiedenen Methoden und Technologien zur CO2-Verminderung, sowie zu möglichen Reduzierungspfaden informiert. Die native Boden-Kohlenstoff-App ermöglicht Akteuren in der Landwirtschaft, Potentiale für Klimaschutz durch landwirtschaftliche Managementmethoden abzuschätzen. Mit dem Landoberflächenmodell CLM werden Zukunftsszenarien simuliert, die über cloud-basierte, modell-gesteuerte Workflows in der App dargestellt werden.

Beide Formate haben das Ziel die Nutzer in Entscheidungen und bei der Entwicklung von Strategien zu unterstützen. Wichtige Ziele während der Arbeit an den Produkten sind u.a. eine gute Verständlichkeit, Transparenz und eine angemessene Informationsaufbereitung. Dabei werden beispielsweise im Atlas verschiedene Abstraktionslevel eingeführt, die den Nutzern mit sehr unterschiedlichem Vorwissen und Informationsbedarf Erkenntnisgewinne ermöglichen. Daneben ergibt sich unter dem Aspekt der Transparenz z.B. die Frage, wie in der App mit der Thematik „Unsicherheiten“ umgegangen werden kann. Der Beitrag stellt die beiden Disseminations-Produkte sowie die Herausforderungen und Lösungsansätze aus der Entwicklungsarbeit vor.

How to cite: Blome, T., Dold, C., El Zohbi, J., Köhnke, F., Preuschmann, S., Steuri, B., Sun, J., Rechid, D., Schultz, M., Jacob, D., and (Cluster I Helmholtz-Klima-Initiative), N.-N. T.: Neue digitale Formate für die Kommunikation von CO2-Einsparungspotentialen für Deutschland, 12. Deutsche Klimatagung, online, 15–18 Mar 2021, DKT-12-6, https://doi.org/10.5194/dkt-12-6, 2020.

09:40–10:00 |
DKT-12-16
Hans von Storch

„Normale“ Wissenschaften wie die der historischen Sprachen oder der Astrophysik unterscheiden sich von Wissenschaften wie der Klimaforschung oder der Epidemiologie. Abgesehen von technischen und methodischen Unterschieden besteht der Unterschied auch darin, das letztere unter „postnormalen“ Bedingungen arbeiten. Von der Klimaforschung und der Epidemiologie verlangt die Gesellschaft klare und schnelle Antworten – aber nicht irgendwelche, sondern bestimmte Antworten. Unter postnormalen Bedingungen funktioniert die Kommunikation zwischen Wissenschaft und Gesellschaft anders als für „normale“ Wissenschaften. Vielmehr besteht eine Tendenz, wonach es weniger auf wissenschaftliche Belastbarkeit und Methodik (wie durch die CUDOS – Normen dargestellt) ankommt bei der Produktion „guter“ Wissenschaft, sondern auf die Konsistenz mit den herrschenden kulturellen Konstruktionen und politischen Präferenzen. Der soziale Prozess des Wissenschaffens verändert sich ebenfalls. Einige wissenschaftliche Akteure werden zu politischen Akteuren. Mediale Präsenz und politischer Einfluss bestimmen wissenschaftliche Anerkennung über Karrieren und Deutungshoheit. Natürlich ist auch die Aufstellung von Forschungsprogrammen und der Wettbewerb der Ideen betroffen.

In Anbetracht dieser Herausforderungen sollten Wissenschaftler sich darum bemühen zu akzeptieren, dass sie soziale Akteure sind und nicht etwa „Verkünder von Wahrheit“, und von Konzepten wie „knowledge speaks to power“ oder „empty vessel“ Abstand zu nehmen. Sie sollten sich darum bemühen zu verstehen, wie sie selbst konditioniert sind durch kulturelle Konstruktionen, und dass die Wechselwirkung von Wissenschaft und Politik in einem Wettbewerb widerstreitender Wissensansprüche und Interessen stattfindet.

Ein erster Vergleich der Erfolge der Klimawissenschaft und der Epidemiologie in Deutschland führt zu der Hypothese, dass die Epidemiologie erfolgreicher war mit den Herausforderungen der Postnormalität umzugehen als die Klimaforschung.

How to cite: von Storch, H.: Die Klimaforschung in der Postnormalität: zum Verhältnis von Wissenschaft und Gesellschaft, 12. Deutsche Klimatagung, online, 15–18 Mar 2021, DKT-12-16, https://doi.org/10.5194/dkt-12-16, 2020.

Pause
10:30–10:50 |
DKT-12-56
Hans Schipper and Joachim Fallmann

Anpassung an den Klimawandel erfordert eine transdisziplinäre Kommunikation auf verschiedenen Ebenen. Um gezielt vorgehen zu können, ist es wichtig herauszufinden, wo Klima und Klimawandel Entscheidungen beeinflussen und in welchem Ausmaß. Dafür ist es nicht nur wichtig auf Klimaforschungsergebnisse zurückgreifen zu können, sondern auch die Erfahrung von Entscheidungsträgern spielt hierbei eine entscheidende Rolle. Ein möglicher Weg, Klimaforschung und Erfahrung zusammen zu bringen ist die Entwicklung von Klimakenngrößen. Während Kenngrößen wie Sommertage oder Eistage als Indikator für Klimaänderungen dienen können, wird für Klimakenngrößen praxisorientierte Erfahrung genutzt um neue Schwellenwerte aus meteorologischen Größen abzuleiten, die stark an Entscheidungen gekoppelt sind. Konkret heißt das, dass Klimaforschungsergebnisse auf anwendungsbezogene Informationen zugeschnitten werden.

Im vorliegenden Beitrag werden Projekte vorgestellt in denen Klimakenngrößen kommuniziert wurden. Gegenstand eines Projekts war zum Beispiel die Entwicklung, von Größen für die verschiedenen Handlungsfelder der Anpassungsstrategie in Baden-Württemberg. Deren Vielfältigkeit und Potential konnte dabei an Anwendungsbeispielen gezeigt werden. Ein weiteres Projekt stellt als anwendungsbezogenes Beispiel aus der Praxis das Projekt „EDE 4.0 - Cloud-basiertes Decision-Support-System für Revierförster“ vor und zeigt die Entwicklung von Klimakenngrößen im Rahmen eines klimaresilienten Wald-Managements. Aus regionalen, dekadischen Klimavorhersagen werden dafür forstspezifische Klimakenngrößen abgeleitet, welche dann in Verbindung mit Forstdaten und lokalem Expertenwissen in eine Cloud eingebracht werden. Ein KI basiertes „Decision Support System“ bedient sich dann dieser Cloud-Daten und unterstützt die Entscheidung eines lokalen Forstbetreibers dynamisch. Das heißt, das System berechnet z.B. die wirtschaftlichen Risiken für die Anpflanzung bzw. Fällung eines Baumes im Rahmen des Planungshorizontes (in der Regel 1 bis 10 Jahre) unter Einbezug der mittelfristigen Klimaprognose und der Standorteigenschaften. Die daraufhin vom Anwender getätigte Entscheidung merkt sich das System und lernt daraus für die nächste geplante Maßnahme.

Dieses und weitere geplante Projekte in verschiedenen Anwendungsbereichen zeigen, dass erfahrungsbasierte Klimakenngrößen ein wichtiger Schritt sind um Klimaforschung für die Gesellschaft nutzbar zu machen.

How to cite: Schipper, H. and Fallmann, J.: Klimaforschung nutzbar machen für die Gesellschaft, 12. Deutsche Klimatagung, online, 15–18 Mar 2021, DKT-12-56, https://doi.org/10.5194/dkt-12-56, 2020.

10:50–11:10 |
DKT-12-60
Annegret Kuhn

We recently witness an increasing inclusion of so-called indigenous or traditional knowledge (ITK) in multi-level climate governance arrangements. Some scholars ascribe this development a high potential for fostering legitimacy and effectivity of global climate governance. However, there are also more critical voices, considering the existing political inclusion of ITK deficient or inadequate. In view of the ongoing controversial discussion, this paper critically studies the scope and modalities of ITK inclusion with reference to one of the crucial sources of epistemic authority within global climate governance – the IPCC. The empirical analysis conducts a systematic quantitative and qualitative content analysis of IPCC Assessment Reports and Special Reports from 1995 to 2019. It studies the different conceptualizations of ITK over time, as well as dominant legitimation narratives arguing for the inclusion of ITK in climate governance. In a second step, consequences for the legitimacy of the IPCC as epistemic authority and global climate governance arrangements more in general are deduced and discussed.  

How to cite: Kuhn, A.: Indigenous and Traditional Knowledge in the IPCC reports: a Systematic Comparative Analysis, 12. Deutsche Klimatagung, online, 15–18 Mar 2021, DKT-12-60, https://doi.org/10.5194/dkt-12-60, 2020.

11:10–11:30 |
DKT-12-63
Frank Kaspar, Florian Imbery, and Karsten Friedrich

Eine der Aufgaben des Deutschen Wetterdienstes ist die Klimaüberwachung für Deutschland. Dazu verwendet der DWD die Daten der Wetterstationen in seinem Messnetz in Kombination mit den historischen Klimadaten, die auch durch Vorgängerorganisationen des DWD erhoben wurden. Für den Zeitraum seit 1881 sind flächendeckende und systematisch erhobene Messungen verfügbar, die für eine Beschreibung des Klimawandels in Deutschland genutzt werden. Die grafische Aufbereitung der Daten wird in unterschiedlicher Form durch den DWD für die Kommunikation des beobachteten Klimawandels eingesetzt. Viele Darstellungsvarianten beziehen sich gemäß Empfehlungen der WMO auf 30-jährige Referenzperioden. Da nach Ende des Jahres 2020 eine neue Klimarefererenzperiode endet, finden Anpassungen der Produkte statt. Für den Zeitraum 1881 bis 2019 beträgt der lineare Trend der Daten +1,6°C. Die zurückliegenden Jahre lagen dabei allerdings deutlich oberhalb der Trendlinie (Abbildung 1), wodurch das aktuelle Jahrzehnt (2011-2020) bereits um mehr als 1,9°C wärmer war als der Beginn der Zeitreihe (1881-1910). Obwohl die deutschen Messdaten damit eine eindeutige Erwärmung zeigen, die konsistent zum globalen Klimawandel abläuft, werden in sozialen Netzwerken Gegenargumente formuliert, um die Aussagen in Frage zu stellen. In der Präsentation werden Beispiele der verschiedenen Kommunikationswege vorgestellt und auf wiederholte Gegenargumente eingegangen.

Abbildung 1:

Beobachtete Temperaturentwicklung in Deutschland 1881-2019:

 

Literatur und weiterführende Links:

  • Zeitreihen der Klimaänderung in Deutschland: https://www.dwd.de/zeitreihen
  • Informationsportal 'Beobachteter Klimawandel in Deutschland':
    https://www.dwd.de/DE/klimaumwelt/klimaueberwachung/deutschland/deutschland_node.html
  • Twitterkanal 'DWD Klima und Umwelt': https://twitter.com/DWD_klima
  • Offener Zugang zu den Klimadaten des DWD: https://opendata.dwd.de/climate_environment/CDC/ ; https://cdc.dwd.de/portal
  • Kaspar, F., Müller-Westermeier, G., Penda, E., Mächel, H., Zimmermann, K., Kaiser-Weiss, A., and Deutschländer, T.: Monitoring of climate change in Germany – data, products and services of Germany's National Climate Data Centre, Adv. Sci. Res., 10, 99–106, https://doi.org/10.5194/asr-10-99-2013, 2013.

 

How to cite: Kaspar, F., Imbery, F., and Friedrich, K.: Kommunikation des beobachteten Klimawandels in Deutschland, 12. Deutsche Klimatagung, online, 15–18 Mar 2021, DKT-12-63, https://doi.org/10.5194/dkt-12-63, 2020.